
MaReC – Mehr als ein Wettkampf
MAREC ist kein „Wettkampf im klassischen Sinne“.
MAREC ist einsatznahe Fortbildung, realitätsbasiertes Training und wissenschaftlich begleitete Weiterentwicklung des Atemschutzeinsatzes.
Dieses richtet sich insbesondere an Wehrführer, Ausbilder und Führungskräfte der teilnehmenden bzw. interessierten Trupps.
1. Grundlage: FwDV 7 – Ausbildung unter realistischen Einsatzbedingungen
Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 (FwDV 7) fordert ausdrücklich eine sorgfältige, realitätsnahe Aus- und Fortbildung im Atemschutz.
In Anlage 4, Abschnitt 2.1.3 „Einsatzübungen“, heißt es:
„Bei den Übungen soll der Atemschutzgeräteträger möglichst unter Einsatzbedingungen einsatztypische Tätigkeiten ausführen; beispielsweise Retten von Personen, Durchführen von Notfallübungen, Vornehmen von Strahlrohren mit Schlauchleitungen unter Druck, Öffnen von Türen, Absuchen von Räumen mit unterschiedlichen Rückwegsicherungen, Kennzeichnen von Räumen, Besteigen von Leitern, Einsteigen in Fensteröffnungen […]“
Weiterhin wird gefordert:
- Durchführung einer Atemschutzüberwachung bei jeder Einsatzübung
- Verpflichtendes Notfalltraining
- Realitätsnahe Darstellung durch akustische und optische Mittel
- Üben von Lagemeldungen und Kommunikation
MAREC erfüllt diese Anforderungen nicht nur – MAREC setzt sie konsequent und einsatznah um.
2. Realitätsnahe Nachbildung echter Atemschutzunfälle
Die Stationen des MAREC sind keine Fantasie-Szenarien, sondern basieren auf realen Atemschutzunfällen.
Insbesondere Station 1 – die sogenannte „Messi-Wohnung“ – stellt eine vollständig abzuarbeitende Mayday-Lage dar.
Diese Station wurde:
- in Abstimmung mit Einsatzbeteiligten eines Ereignisses entwickelt,
- unter Einbeziehung von Erkenntnissen der Unfallkommission ausgearbeitet,
- taktisch so aufgebaut, dass eine vollständige Abarbeitung nach FwDV 7 erforderlich ist.
Leichte Anpassungen (z. B. Eindringtiefe) wurden bewusst vorgenommen, um bekannte Limitierungen von Übungsdummys zu kompensieren – ohne die taktische Realität zu verfälschen.
Hier wird nicht „auf Zeit gelaufen“. Hier wird eine reale Notlage strukturiert abgearbeitet.
3. Umsetzung der FwDV 7 in den MAREC-Stationen
Die Inhalte entsprechen unmittelbar den Anforderungen aus Anlage 4, Abschnitt 2.1.3:
✔ Menschenrettung unter Atemschutz
- Vollständige Mayday-Lage
- RIT-Bag-Handling
- Notfallmeldung
✔ Vornehmen von Strahlrohren mit Schlauchleitung unter Druck
- In der „Messi-Wohnung“ werden mit Wasser gefüllte Schlauchleitungen vorgenommen
✔ Öffnen von Türen
- Training an realen Zimmertüren
✔ Absuchen von Räumen mit alternativer Rückwegsicherung
- In Station 2 („Hindernisstrecke“) stehen verschiedene alternative Sicherungssysteme zur Verfügung
✔ Einsteigen in Fensteröffnungen
- Bestandteil der Hindernisstation
✔ Besteigen von Leitern
- Bestandteil der Station „Absturz“
✔ Arbeiten unter eingeschränkter Sicht
- Verblendung mittels Nebelfolie
- Lichteffekte
- Akustische Reize
Damit werden exakt die Ausbildungsinhalte trainiert, die die FwDV 7 ausdrücklich fordert.
4. Permanente Betreuung, Sicherheit und Nachbereitung
Ein wesentlicher Unterschied zu einem klassischen Wettkampf ist die dauerhafte fachliche Begleitung aller Trupps.
- Jeder Trupp wird während der gesamten Übung durch geschultes und einsatzerfahrenes Personal begleitet.
- Die Einhaltung der Einsatzgrundsätze gemäß FwDV 7 wird überwacht.
- Sicherheit hat oberste Priorität – Eigen- oder Fremdgefährdungen werden nicht toleriert.
Darüber hinaus wird jede Übungseinheit strukturiert nachbesprochen.
In diesen Nachbesprechungen werden:
- taktische Entscheidungen analysiert,
- Kommunikationsabläufe reflektiert,
- sicherheitsrelevante Aspekte bewertet,
- alternative Lösungsansätze aufgezeigt.
MAREC endet nicht mit dem Durchlaufen der Station – der eigentliche Lerneffekt entsteht in der fachlich fundierten Nachbereitung.
Damit entspricht MAREC nicht nur dem Übungsansatz der FwDV 7, sondern erweitert diesen um eine intensive Reflexionsphase.
5. Wissenschaftliche Begleitung und Forschung
MAREC wird in enger Zusammenarbeit mit der:
- Feuerwehrakademie Hamburg
- Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)
geplant und durchgeführt.
Der Wettkampf dient ausdrücklich auch:
- der wissenschaftlichen Untersuchung von Kommunikation unter Stress,
- der Analyse von Entscheidungsfindung unter Atemschutz,
- der Weiterentwicklung taktischer Ausbildungsansätze,
- der körperlichen Belastung beim Atemschutzeinsatz.
Insbesondere die Truppkommunikation ist Forschungsschwerpunkt der HAW.
MAREC ist somit ein Ausbildungs- und Forschungsprojekt – kein sportlicher Wettbewerb.
6. Bedeutung für Wehrführungen
Für Wehrführungen bedeutet MAREC:
- praxisnahe Fortbildung gemäß FwDV 7
Trägt damit gemäß Anlage 4 Punkt 3 zum Erhalt der Dienstfähigkeit bei - intensives Notfalltraining
- realitätsnahe Mayday-Ausbildung
- strukturierte Einsatzreflexion
- wissenschaftlich begleitete Erkenntnisgewinne
- hohe Sicherheitsstandards durch permanente Betreuung
- der Begriff „Wettkampf“ soll ausschließlich den psychischen Druck erhöhen, ähnlich einer Einsatzbelastung.
MAREC ergänzt diese um einsatznahe Szenarien, die im Regelbetrieb häufig nicht in dieser Intensität darstellbar sind.